Erfolgreicher Praxistag 2018

im Destedter Revier mit 125 Teilnehmern aus fünf Jägerschaften.

Jungjäger-Anwärter, Hundeführer mit ihren Hunden und erfahrene Jäger verfolgen die Live-Vorführung der Beizjagd von Falkner Heinrich Buhmann mit seinem amerikanischen Wüstenbussard und kleinen Münsterländer.
Jungjäger-Anwärter, Hundeführer und "alte Hasen" im Destedter Revier bei der Livevorführung der Beizjagd.

"Wenn Jagdscheinanwärter alte Hasen treffen und Neuland betreten..."

 

Als sei’s ein Satz aus einem Lehrbuch für Kommunikationsstrategien: Führe Interessierte, Jagdscheinanwärter, Jungjäger und Hundeführer aus fünf Jägerschaften mit Jenen, die Erfahrung und Möglichkeiten haben zusammen, und du erzielst maximale Aufmerksamkeit für dein Anliegen.

 

Nach dieser Maxime verfuhr Hans-Ulrich Keie, Hundeobmann der Wolfsburger und Braunschweiger Jägerschaft, als er zum Praxistag ins Revier Destedt von Eigentümer Johann-Friedrich von Veltheim in Wolfenbüttel einlud. Der Eigenjagdbezirk wurde im Interesse der Jagd zum Lehrrevier und 125 Interessierte kamen.

 

Viele „Altersklassen“ aus Wolfsburg, Braunschweig, Helmstedt, Wolfenbüttel und Peine erkundeten den Lebensraum von Tieren und Pflanzen und erlebten den Arbeitsplatz von Matthias Steinhöfel, Forstwirtschaftlicher Verwalter der von Veltheimischen Gutsverwaltung, engagierter Hundeführer mit Meute und Norddeutschlands Spezialist für schwierige Saujagden in Maisschlägen und Schilfzonen.

 

An diesem Wintermorgen ertönt „Aufbruch zur Jagd“ nicht von der Jagdsignale-App. Das Bläserkorps der Braunschweiger Jägerschaft lässt prüfungsrelevant „Treiber in den Kessel“ erklingen – viele erinnern sich, andere lernen es: Ab jetzt wird nur noch nach außen geschossen. Die Hörner rufen, mancher Hund stimmt ein.

 

Hundeführer stellen ihre Jagdhunde vor, eine Kaninchenschleppe wird gezogen. „Welcher Hund eignet sich für welche Jagd?“, fragt Organisator Keie, nennt Spezialgebiete, Führung, Ausbildung und Eigenschaften der vierläufigen Helfer – kurz, knackig, kompetent. „Nach dem Riesenerfolg unseres ersten Praxistages 2015 freuen wir uns, dass diesmal noch mehr Teilnehmer dabei sind und sich Kameradschaften zu anderen Jägerschaften entwickeln können“, sagt er und fügt hinzu: „Wir bringen erfahrene Jäger mit Neulingen zusammen, wollen etwas aus der Region und für die Region tun und besonders Jungjäger der aneinandergrenzenden Jägerschaften miteinander vernetzen.“

 

Beim Praxistag gelingt das hervorragend. Ein Braunschweiger Jagdscheinanwärter bemerkt begeistert: „Endlich sehe ich viele Rassen zusammen, entdecke ihre Unterschiede und lerne verschiedene Hundeführer kennen.“ Eine Jägerin aus Braunschweig führt bereits erfolgreich ihren dritten Englisch Setter. Eine Peiner Jägerin ihren ersten Weimaraner. Sie hat gerade ihre Jungjäger-Zeit hinter sich und freut sich, dass ihre Hündin Siegerin der Gebrauchshundeklasse der diesjährigen Jubiläumszuchtschau des Weimaraner Klubs ist.

 

Derweil sitzt der Harris Hawk folgsam auf der Hand von Falkner Heinrich Buhmann. Neben ihm wartet sein Kleiner Münsterländer, dass die Beizjagd losgeht. Der Amerikanische Wüstenbussard weiß, dass er sich gleich von Baum zu Baum schwingen darf. Der Hund folgt auf dem Feld. Das Beizjagd-Gespann Mensch-Hund-Harris Hawk in Vollendung. „Sucht Eure Hunde passend nach Gebrauch aus“, rät Buhmann. Später zeigt er zwei Frettchen, erklärt wie sie Kaninchen aus dem Bau stöbern.

 

Die Fächervielfalt für Jäger in der Praxis verdeutlichen Steinhöfel und Waldpädagoge Uwe Klameth beim Reviergang. Es geht beispielhaft um Pilzbefall und Resistenzen der Esche, um Naturschutz, Forst- und Landwirtschaft, Bejagung, Waldbau - Folgen für die hier lebenden Tiere und Veränderungen des Habitats. Durch den Jagdbezirk führt die Autobahn 39. „Eine Wildbrücke ermöglicht den Tieren einen ungefährlichen Übergang“, so Steinhöfel. Hier wechseln Sauen und Rehwild, passt sich die Natur an, ruht die Jagd. Zudem hat das Wild Rückzugsraum, nutzt klug die Einstände und die Hasenapotheke bietet einen reich gedeckten Tisch.

 

Sicherheit geht vor Jagderfolg: Die Teilnehmer erfahren, dass deshalb rund 100 Hektar Fläche entlang der Autobahn nicht bejagt werden dürfen. „Seit rund vier Jahren wechselt das Rotwild hierher aus dem Elm runter“, informiert Steinhöfel. Es herrscht Bewegung im Revier – der Praxistag macht’s deutlich.

 

Ein amerikanischer Wüstenbussard sitzt auf der Hand von Falkner Heinrich Buhmann.
Harris Hawk, ein amerikanischer Wüstenbussard auf der Hand von Falkner Heinrich Buhmann.