Erfahrungsbericht

Bevor Sie hier weiterlesen, möchten wir hier ausdrücklich darauf hinweisen, dass der folgende Text von den Absolventen des Kurses ist. 

 

Einen besonderen Dank für diesen Beitrag an unsere frisch gebackenen Jungjägerinnen und Jungjäger, und allzeit Waidmannsheil!


Jägerinnen und Jägerlehrgang 2018/19

Jäger werden. Diesen Wunsch hatten 20, sich bis dato noch unbekannte Frauen und Männer, die sich am 29.8.2018 zur Infoveranstaltung ‚Jägerlehrgang 2018/2019‘ der Jägerschaft Wolfsburg in der Gaststätte ‚Alter Dorfkrug am Kanal ‘ in Wolfsburg Sandkamp versammelten. Der Jüngste gerade mal 16, der Jahrgangsälteste 75 Jahre.


Jagen heute, das ist weniger Privileg, sondern ein Recht. Im Mittelalter beanspruchten Adel und Fürsten die Jagd als Privileg für sich. Wer heute jagen will, muss das Handwerk der Jagd erlernen und sich ein umfassendes Wissen und Grundlagen der Jagd erarbeiten und nachweisen. Das Spektrum reicht dabei von der Lehre über Natur und Wild, über Gesetzesbestimmungen und Jagdpraxis, über den korrekten Umgang mit Waffen und Munition, über das Verwerten des Wildbrets sowie über die Ausbildung und den Einsatz von Jagdhunden. Wer schließlich die Fähigkeiten im jagdlichen Schießen, Theorie und Praxis nachgewiesen hat, dass er diese erforderlichen Kenntnisse besitzt, hat das Recht, die Jagd in Deutschland auszuüben.


Davon waren die 20 Kandidatinnen und Kandidaten aber im September 2018 jedoch noch weit entfernt. Die Motive für den Erwerb des  Jagdscheins waren vielfältig, so  gab es bei einigen bereits in der Familie intensivere Berührungspunkte mit der Jagd andere hatten bislang keinerlei Berührungen mit der Jagd und kamen aus Interesse an der Natur.


So begann die gemeinsame Reise am 3. September 2018 mit Michael Tandler im Schützenhaus Sülfeld mit der Theorie über Jagdwaffen. In seiner unnachahmlichen, von bayerischem Humor und Fachausdrücken geprägten Vortragsform, brachte er allen die Details von jagdlichen Waffen bei. Vom Saufänger bis zum Drilling wurden alle technischen Details, der sichere Umgang, die Wahl der korrekten Munition usw. erörtert. Wir konnten Michael jede noch so detaillierte Frage zu Feldern und Zügen, Schlössern und Schäften stellen; er konnte wirklich alles, auch danke seines praktischen Erfahrungsschatzes, perfekt erklären. Zudem war Michael stets auf der Höhe der Zeit und mit allen Entwicklungen der Branche vertraut.


Uli Keie führte uns in die Welt des Wildes, der Bäume und Sträucher, der Jagdhunde und die Hege ein. Uli’s Persönlichkeit, ein einzigartiger, ganzheitlicher komplexer Zusammenhang in der Natur und sein unendliches Erfahrungswissen in der Ausbildung von Jagdhunden, haben jede Unterrichtsstunde zu einem unvergesslichen Erlebnis werden lassen. Die lebhaften Schilderungen von Begegnungen mit Wild, der Zeit im Wald und die Verbindung von Mensch und Hund bei der Jagd, sorgten für eine konstante Teilnahme aller in jeder Unterrichtsstunde. Nur durch diese ganzheitliche Unterrichtsart, kann man ein solch komplexes Thema überhaupt erfahrbar machen.


Im November folgten die ersten Lehrjagden im FoA Wolfenbüttel, der Stadtförsterei Wolfsburg sowie im Bundesforst Revier Braunschweiger Land. Für einige wurde es zum ersten Mal ernst und aus der Theorie wurde greifbare Praxis. Die Lehrjagden sind obligatorisch und stellen einen wichtigen Teil der Ausbildung dar. Zudem sind diese von den Ausbildern professionell in das Gesamtkonzept integriert. So werden viele Inhalte noch verständlicher und erschlossen sich den Kursteilnehmern nachhaltig. Abgesehen davon macht es einen riesen Spaß. Auch der Kurs ist bei der gemeinschaftlichen Jagd weiter zusammengewachsen. 


Neben den Lehrjagden gab es viele weitere und zudem sehr wertvolle Exkursionen und Praxistage. Dazu gehörten ein Fallenlehrgang nebst Zertifikat, auch Exkursionen in den Saupark Springe mit dessen beeindruckendem Jagdschloss, Jagdhundeausbildung und Brauchbarkeitsprüfung, Land- und Waldbau, Zerlegung von Wild, sowie praktische Waffenhandhabung bei einem Besuch beim Büchsenmacher Knappworst in Braunschweig.


Sicherlich ist die Ausbildung an der Waffe der intensivste und spannendste Abschnitt der Ausbildung. Michael Tandler hatte den Kurs gründlich auf diesen Teil der Ausbildung vorbereitet und stets großen Wert auf den sicheren Umgang mit der Waffe gelegt. So wird auch ein Teilnehmer und Mitautor dieses Artikels, den Unterschied zwischen einem deutschen und französischen Stecher ein Leben lang nie mehr vergessen. Am 16. Februar 2019 begann dann der praktische Teil der Ausbildung. Michael wurde dabei von Eibe und Björn Behrens, sowie Jörn Hüller unterstützt. Alle drei haben exzellente Ergebnisse in diversen Wettkämpfen erreicht.


Aufgrund der Sanierungsarbeiten der Schiessanlage in Westerbeck erfolgte die praktische Schießausbildung erst im Frühjahr 2019. Die nicht ganz frühlingshaften Temperaturen konnten den Teilnehmern den Spaß allerdings nicht nehmen. Nach Einteilung in Rotten durften alle selber sowohl Skeet als auch Trapschießen ausprobieren und nach einigen Trainingsstunden sich für eine der Disziplinen entscheiden. So einfach der ‘laufende Keiler’ von außen aussah, es verirrten sich doch einige Kugeln in den Auffangbereich, ohne die Scheibe auch nur angekratzt zu haben. Viele Wurftauben wurden verschont und so manche Verzweiflung machte sich breit, bis die ersten Erfolge einsetzten und man nach und nach besser wurde. 


Das Ereignis der Prüfung begleitet die Teilnehmer während des gesamten Kurses. Erst als ein kaum wahrnehmbarer Punkt am Horizont, später als unaufhaltsam ernstzunehmendes Ereignis. Die Jägerprüfung ist keine Spielerei, einen Jagdschein macht man nicht mal so eben nebenbei. Wer mit der Einstellung an das Thema Jagdschein herangeht, ist zum Scheitern verurteilt.  Der angehende Jäger lernt hart, weiß mehr, ist besser. Und das muss er auch, um waidgerecht jagen und hegen zu können. Er ist der bestausgebildete Naturschützer und trägt enorme Verantwortung für das Leben und Gleichgewicht in der Natur. Letztlich auch, um den teilweise in der Gesellschaft existierenden Vorurteilen ruhig und mit sachlichen Argumenten begegnen zu können. Die Gesetze der Natur sind sehr komplex und existieren unabhängig von tagespolitischen Strömungen. Diese Zusammenhänge versteht, wer sich mit Forstwirten über die mehrere hundert Jahre andauernde Bewirtschaftung von Wäldern unterhält und lernt.


Die Ausbilder haben in diesem Kurs jedem Teilnehmer und jeder Teilnehmerin alles mit auf den Weg gegeben, was zum erfolgreichen Bestehen der Prüfung erforderlich ist. Und so oft noch weitaus mehr als das. Die Ausbilder agierten in diesem Kurs mit voller Hingabe und sehr engagiert. Wer sich somit abends und am Wochenende nicht selbst zum Lernen bewegen konnte, war selber schuld. Aber durch die Kameradschaft im Kurs, die entstandenen Kompendien und Lernblätter, die unendlichen Diskussionen in der Chatgruppe, die Vorträge, die selbstorganisierten Treffen neben dem Kurs (von dem unsere Ausbilder zumeist gar nichts wussten) und das Erlebnis, zusammen eine solche Herausforderung gemeistert zu haben, haben diesen Kurs für alle Teilnehmer zu einem unvergesslichen Erlebnis werden lassen.


Wir alle, die Teilnehmer des Jägerkurses 2018/2019 möchten hiermit ganz herzlich Ralph Schräder, dem Kreisjägermeister Herrn Glanz, all unseren Prüfern und unseren Ausbildern Eibe, Björn und Jörn, sowie allen anderen Unterstützern, die uns z.B. im Jagdschloss Springe, im Arboretum Wolfsburg, dem Nest Wolfsburg usw. bedanken. Ihr habt das alles in eurer Freizeit gemacht, um uns eine erfolgreiche Jägerprüfung und den Start ins Jägerleben zu ermöglichen. 


Dafür danken wir euch allen ganz herzlich!


Björn und Lucky, im Namen des ganzen Jägerkurses 2018/2019



Jägerinnen- und Jägerkurs 2018/19
Jägerinnen- und Jägerkurs 2018/19